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Gottes Familienkokon

Jesu Kreuz und Geborgenheit – passt das zusammen? Ich stolpere über ein Lied, das mich auf diesen Gedanken bringt und weiter …

Schon lange habe ich nicht mehr daran gedacht. In den Losungen läuft mir plötzlich der Liedtext wieder über den Weg: „Wenn ich vor deinem Kreuze stehe und mich in deinem Bilde sehe …“ Ich habe nur noch diese ersten zwei Zeilen im Kopf. Wie ging das Lied gleich noch mal weiter?

Die Strophe setzt so fort: „… weiß ich, dass ich geborgen bin“. Beim Lesen stutze ich, frage ich mich, wie ich hier wohl fortgesetzt hätte, wenn ich das Lied geschrieben hätte. Kreuz und Geborgenheit – passt das zusammen?

Als erste Assoziation zum Kreuz taucht in meinem Kopf das Wort „Schuld“ auf. Dann: dunkle Farben, Sünde, Leid, Jesu Tod, Golgatha. Danach denke ich an Gethsemane, die Jünger, an Pilatus, den römischen Hauptmann, die Soldaten, die Frauen unterm Kreuz.

Geborgenheit?

Mich interessiert der Rest des Liedes von Johannes Jourdan. Ich finde ihn in einem älteren Liederbuch. Jede Strophe beginnt mit denselben zwei Zeilen: „Wenn ich vor deinem Kreuze stehe und mich in deinem Bilde sehe, …“

  1. … erkenne ich, dass du mich liebst
  2. … erfüllt mich neue Zuversicht
  3. … macht mich dein Leidensweg ganz still
  4. … lässt du mich auch die andren sehn
  5. … weiß ich, dass ich geborgen bin

Ja, Jourdan redet auch von Schuld und Elend, von Verzagtheit und Leid. Doch im Zentrum seines Textes stehen sie nicht. Da leuchten andere Themen auf: Gottes Liebe, Zuversicht, Stille, mein Mitmensch, Geborgenheit.

Ist meine Sichtweise vom Kreuz zu eng? Warum hat das, was Jourdan darin sieht, in meiner Sicht so wenig Raum? Denn es stimmt doch: Das Kreuz ist ein Zeichen von Gottes Liebe, ein Grund zur Hoffnung, eine Einladung, dass ich mich bei Gott geborgen wissen darf.

Geborgen.

Geborgen ist ein einzigartiges Wort, das es in dieser tiefen und breiten Bedeutung in den meisten Sprachen nicht gibt. Es ist eine Mischung aus Sicherheit, Wärme, Vertrauen und Liebe. In Frankreich wird es im familiären Zusammenhang „cocon familial“ genannt.

Geborgenheit wie im Kokon.

Kokon und Kreuz. Wie gegensätzlich beide sind. Ein Kokon umschließt die Raupe fest und sicher, bis sie schlüpft. Das Kreuz war eher das Gegenteil. Jesus am Kreuz war so angreifbar, verletzlich. Er hing da mit offenen Armen, in körperlichen Qualen, dem Spott ausgesetzt.

Zugleich war er dabei zu siegen. Dem Bösen endgültig die Rote Karte zu zeigen. Und zu offenbaren, dass Gott anders ist, als wir oft meinen.

Jesus war am Kreuz alles andere als geborgen. Er machte sich angreifbar und wir, wir haben auf ihn eingehauen, ihn verhöhnt, nach seinem Gott gefragt. – Gestorben ist er trotzdem für uns. Für mich. Damit ich Geborgenheit finden kann. In ihm und dem Vater.

Wie im Kokon.

Meine Sicht vom Kreuz ist zu eng. Jesus wollte nie, dass ich dabei nur an Schuld denke. Ja, auch meine Schuld hat ihn ans Kreuz gebracht. Aber Jesus ist mit einer Mission ans Kreuz gegangen: Meine Schuld soll nicht mehr über mich regieren!

Mir ist vergeben. Ich bin frei. Geborgen. In Gottes Familienkokon.

Ich brauche sichere Rückzugsorte in meinem Leben. Gott will mir einer sein. Und auch wenn das Kreuz auf den ersten Blick nicht danach aussieht, darf es mich doch an das erinnern, was Gott sich eigentlich dabei gedacht hat: „Menschen sollen bei mir geborgen sein.“

Foto: pixabay | GLady


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Ich bin Stephanie

und ich liebe es, schreibend und wandernd Gottes Welt zu entdecken. Ins Vertrauen bin ich staunend und stolpernd unterwegs … Mehr über mich findest du hier. Du willst mir schreiben? Ich freue mich über deine Nachricht!