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Wenn Gott vermietet

Wie ist Gott? Ich stelle mir diese Frage beim Lesen von 1. Mose 1 und 2, denke an meine Erfahrungen mit Vermietern – und bin überrascht.

Ferienwohnungen und ihre Vermieter

Mein Mann und ich sind Ferienwohnungsurlauber. Wir genießen diese Rückzugsorte auf Zeit, in denen wir – egal wo – unser Reich für uns haben.

Die ersten Minuten in einer neuen Ferienwohnung sind immer die spannendsten. Wie ist die Wohnung wirklich? Haben die Bilder die Realität gezeigt? Jede Wohnung ist anders. Jeder Vermieter ist anders. Auch das beobachte ich manchmal mit einem Schmunzeln.

Mancher Vermieter gibt einem einfach nur den Weg in die Wohnung frei, nebenbei einige wenige Erklärungen – und ich darf selbst auf Entdeckungsreise gehen. Und dann sind da die Vermieter, die vorgehen, an jeder Ecke stehenbleiben, erklären, gefühlt jede Schranktür öffnen und einen Hinweis nach dem anderen geben, der unbedingt zu beachten sei.

Man merkt diesen Vermietern an, dass ihnen das Loslassen nicht leichtfällt.

Kunstwerk zu vermieten

Als ich neulich 1. Mose 1 gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass Gott eigentlich so eine Art Vermieter ist. Er erschafft diesen wunderschönen Garten, legt all seine Liebe und Fantasie hinein, spielt mit Farben, Formen, Düften und Geschmäckern. Er setzt große und kleine Lebewesen hinein, jedes einzigartig und besonders. Sein Garten ist ein Kunstwerk.

Und dann setzt er den Menschen hinein. Mitten in sein Kunstwerk.

Wie ist Gott als Vermieter?

Nachdem Gott die Menschen geschaffen hat, ist er erstaunlich gelassen. Er beginnt nicht mit Regularien, erklärt nicht mit stolzer Brust, was er da eben alles extra für sie kreiert hat, er erklärt auch nicht, wer hier der Chef ist. Nein, das Erste, was Gott tut, ist: Er segnet. Und ja, ein paar Hinweise gibt es auch noch. Aber generell habe ich den Eindruck, Gott ist ein entspannter Vermieter.

Ehrlich gesagt, das überrascht mich. Denn eigentlich hat er genug Gründe, unentspannt zu sein. Er hat den Menschen geschaffen. Er kennt ihn. Er kennt die Zukunft. Er weiß, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass dieser Garten so bleibt, wie er ist. Er weiß um das, was kommen wird.

Wie kann Gott so gelassen sein?

Raumgeber und Freiheitsschenker

In den ersten Kapiteln erklärt Gott Adam und Eva noch nicht einmal, dass er gern angebetet und geehrt werden würde. Wussten Adam und Eva das einfach? Oder war es nicht wichtig, weil die Welt noch in Ordnung war?

Wenn ich die Frage „Wie ist Gott?“ nur mit 1. Mose 1 und 2 beantworten müsste, welche Antwort würde ich geben? Wie wäre dieser Gott? Wäre es ein Gott, den ich im negativen Sinn fürchten würde – oder einer, den ich einfach nur gern in meinem Leben hätte?

Beim Lesen neulich habe ich mir diese Frage gestellt. Und festgestellt: Der Gott aus 1. Mose 1 und 2 gefällt mir. Um nicht missverstanden zu werden, Gott gefällt mir auch in vielen anderen Kapiteln der Bibel, aber diese ersten beiden sind trotzdem etwas Besonderes.

Gott erweist sich hier als Raumgeber. Als Loslasser. Als Freiheitsschenker.

Er kreiert etwas Wunderschönes – und setzt uns Menschen dann einfach mitten hinein. Sagt: „Erkunde den Raum. Gestalte. Lebe.“ Aus der Geschichte wissen wir, was wir mit dieser Freiheit angestellt haben. Trotzdem gibt Gott sie uns. Immer noch.

Wohltuend – ein Leben lang

Kann man Gott vorwerfen, er sei pingelig? Kann man ihm ankreiden, dass er zu viele Gebote und Regeln aufgestellt hat? Oder dass er Applaus und Anbetung einfordert? Uns Menschen kleinhält? Jeden Spaß verdirbt?

In den ersten zwei Kapiteln lese ich nichts von solch einem Gott. Und auch wenn Gott später Gebote gibt, haben diese nie den Zweck, Menschen zu gängeln oder sein Ego zu streicheln. Gott ist und bleibt der, der Vertrauensvorschüsse gibt, zweite und dritte Chancen, Raum und Freiheit. Den Erlöser.

Großzügige vertrauensvolle Vermieter sind wohltuend. Sie bereiten vor, sind ansprechbar, drängen sich nicht auf, öffnen Räume, haben gute Tipps, manche geben ihre Kräuter im Hochbeet frei und die Eier aus dem Hühnerstall und so viel mehr. Zugleich entsteht nebenbei manches vertraute Gespräch, das ins Herz blicken lässt. Leben teilen für drei Wochen. So haben wir es in diesem Sommer auf einem Bauernhof in Kärnten erlebt.

Leben teilen. Nicht nur für drei Wochen. Das will Gott. Deshalb hat er diese Erde geschaffen. Deshalb hat er sie uns anvertraut. Deshalb segnet er den Menschen als Erstes. Dich und mich.

Danke, Gott, dass du so bist.

Foto: pixabay | Harry Strauss


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Ich bin Stephanie

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