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Ein Spiegel für Gott

Gibt es Dinge, die Gott nicht gebrauchen kann? Zum Bau der Stiftshütte bringen die Israeliten, was sie haben. Einige Frauen kommen mit ihren Spiegeln …

Baustelle Heiligtum

Der Bau der Stiftshütte, wie er ab 2. Mose 35 geschildert wird, fasziniert mich. Im Grunde entsteht das Heiligtum allein aus dem, was die Israeliten in ihren Zelten haben. Es gibt keine Rohstoffe, die bestellt oder importiert werden. Stattdessen ist jeder aufgerufen zu bringen, was er in seinem Zelt hat und für den Bau des Tempels geben könnte: Felle, Stoffe, Metalle, Holz, Öle (2 Mo 35,5–9). Einzige Bedingung: Es muss freiwillig sein!

Es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert. Ganz Israel scheint auf den Beinen und mit Fiebereifer dabei (2 Mo 35,20–29). Ich höre Nachbarn einander zurufen: „Wir bauen dem Herrn ein besonderes Zelt! Was habt ihr für ihn?“ Tag für Tag bringen sie, was sie haben und finden können, damit auch der Nachschub gewährleistet ist. Am Ende muss Mose sie sogar bremsen und sagen: „Ihr bringt zu viel“ (2 Mo 36,5). – So kann Gemeinde sein!

Spiegel als Geschenk

Mittendrin in diesem ganzen Baugewusel lese ich ein Detail, das mich berührt, anhalten lässt. Da steht in 2. Mose 38,8: „Und er machte das Becken aus Bronze und sein Gestell auch aus Bronze von den Spiegeln der Frauen, die vor dem Eingang der Stiftshütte Dienst taten.“

Gott benutzt die Spiegel der Frauen. Sie werden Teil seines Heiligtums, in dem er wohnen wird.

Ich weiß nicht, was mich daran so berührt. Vielleicht, weil es bei Spiegeln um Gegenstände geht, die eher unwichtig scheinen. Ohne Spiegel würde niemand tot umkippen. Okay, die Haare sähen struweliger aus, die Creme wäre nicht gleichmäßig im Gesicht verteilt, der Ruß bliebe etwas länger auf der Nasenspitze. Aber es gibt doch Wichtigeres als Spiegel! Zumal die Spiegel damals nicht mit denen von heute zu vergleichen sind. Polierte Bronze eben.

Und doch, Gott kann die Spiegel gebrauchen. Und die Frauen sind bereit, Gott ihre Spiegel zu schenken.

Was sind meine Schätze?

Was hätte ich zur Baustelle gebracht? Und wovon hätte ich vielleicht gedacht: „Das kann Gott bestimmt nicht gebrauchen“? – Kann Gott denn alles gebrauchen? Selbst Dinge, bei denen andere vielleicht abwinken, weil sie unnütz sind, die Eitelkeit fördern könnten …?

Gott nimmt die Spiegel als Geschenk an. Er sieht, was die Frauen ihm damit anvertrauen. Er schätzt dieses Geschenk, wertet es nicht als „sinnlosen Plunder“ ab.

Manchmal sehe ich mehr auf das, was ich nicht habe, und verachte meine Schätze. Ich denke, sie sind nicht gut genug, werden nicht gebraucht, anderes ist gefragter. Gold eben, nicht Bronze. Das Besondere, nicht das Banale. Das Nutzlose, nicht das Schöne. Dazu kommen vielleicht die Blicke von anderen, die sagen: „Ihren Spiegel, was will sie hier damit?“

Hauptsache Liebe

Was kann Gott gebrauchen? Vielleicht es ist eher die Frage, was er nicht gebrauchen kann. Es scheint mir, er kann alles gebrauchen, aus allem etwas machen, solange es mit Liebe zu ihm gebracht ist.

Es ist also vielleicht gar nicht die Frage: „Was kann ich Gott geben?“, sondern eher die Frage: „Wie kann ich mehr lieben?“ In der Liebe braucht es keine teuren Geschenke, keine ständigen Beteuerungen. Auch in der Liebe zu Gott nicht. Liebe lebt von kleinen Dingen und Aufmerksamkeiten, auch Unnützlichkeiten. Solange ich damit etwas von mir selbst verschenke. Wie die Frauen ihre Spiegel.

Foto: pixabay | Alexander Kit


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Ich bin Stephanie

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