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Dünnes Eis

Dünnes Eis, dickes Eis – wie ist dein Glaube? Mein Glaube ist oft dünnes Eis. Zerbrechlich. Lange wollte ich starken Glauben, der sich allem entgegenstellt. Was, wenn Glaube auch anders geht?

Mein Glaube ist dünnes Eis

Dünnes Eis ist nicht tragfähig. Ein Grasbüschel hält es aus, vielleicht einen Kieselstein, aber mehr auch nicht. Wie anders ist dagegen das Eis, das gerade an der Ostseeküste bestaunt werden kann. Das stürmische Meer – einfach zugefroren.

Wie ist mein Glaube? Dünnes Eis oder mächtiges Eis?

Ich merke gerade mal wieder, wie dünn mein Glaubenseis ist. Wie schnell ich einbreche, am Schwimmen bin. Durch Sorgen, die ich mir gar nicht machen müsste, durch Ängste, die plötzlich und übermächtig vor mir stehen.

Sorge und Angst gehören zum Leben dazu. Es macht mir nur zu schaffen, dass ich manchmal so darin versinke. Das kleinste bisschen und mein Glaubenseis ist durch. Krach, gehe ich baden. Als wäre da nie Vertrauen, nie Gott gewesen. Dabei ist er doch da! Das glaube ich doch eigentlich.

Glauben wie dickes Eis

Wie schön wäre es, wenn mein Glaube dickes Eis wäre. Stark. Tragfähig. Wie anders könnte ich dann meine Baustellen angehen, mein Leben, all die Herausforderungen. Mit wie viel Zuversicht!

Ob starker Glaube Nachteile hat? Wäre ich mir dann vielleicht mancher Dinge zu sicher? Würde ich mir auf die Schultern klopfen und sagen: „Gut, dass ich nicht so bin wie diese Zweifler da drüben“?

Ich wünsche mir mehr Vertrauen. Doch wie genießbar wäre ich als Christ, wenn ich es hätte? Ich könnte vermutlich nicht im Ansatz nachvollziehen, dass es Leute gibt, die nicht so glauben können wie ich. Denn hey, Glauben geht doch einfach! Glaub doch einfach dran! – Stattdessen sitze ich mit denen im Boot, die stammeln: „Hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9,24).

Manchmal ist Glauben leicht für mich, oft finde ich es schwer zu glauben. Wie schnell bricht mein Glaube ein, wenn die Ängste und Sorgen übermächtig werden, sich wie ein Bollwerk gegen mich stellen. Ein Bollwerk, das eigentlich der Glaube sein sollte.

Glauben wie ein Bollwerk

Glaube als Bollwerk, das dagegenhalten kann. Wie erlebst du deinen Glauben? Was für ein Ideal von Glauben trägst du mit dir spazieren?

Für manche mag das Bild vom Glauben als Bollwerk stimmig sein und zutreffen. Beim Schreiben denke ich jetzt gerade: Ich erlebe das anders. Für mich ist Glaube kein Bollwerk, kein Dagegenhalten. Ja, ich versuche es, aber es funktioniert nicht.

Ich schaffe es nicht, meine Ängste und Sorgen mit dem Glauben in Schach zu halten. Aber manchmal schaffe ich es, damit zu Gott zu gehen und alles vor ihm auszubreiten und mit ihm gemeinsam davorzusitzen. Schweigend. Redend. Traurig. Am Ende getröstet.

Mein Bild finden

Ich weiß nicht, warum das Bild in mir so stark verankert ist, dass Glaube ein Kampf ist. Paulus gebraucht es zwar an manchen Stellen, aber es gibt doch mehr Bilder für den Glauben in der Bibel. Vielleicht habe ich jahrelang das falsche Bild gefüttert und sollte mich von diesem Gedanken verabschieden – und stattdessen mein Bild für den Glauben finden, ein Bild, das mir hilft.

Ich muss an das Bild vom Weinstock und den Reben denken, von dem Jesus erzählt. Es passt so viel besser zu mir, ist so viel sanfter. Darin geht es nicht ums Kämpfen und Starksein, sondern ums Wachsen und Bleiben in Jesus. Wachsen, bleiben, fruchtbar sein. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5)

Das Bild tut mir gut. Es nimmt den Bollwerk-Druck von mir weg. Es ist überraschend ehrlich: „Ohne mich könnt ihr nichts tun.“ Und es lädt mich ein: Geh zu Jesus. Immer wieder. Egal, was gerade ist. Egal wie verloren oder siegreich du bist, egal wie viel Angst und Sorge in dir ist oder auch Vertrauen. Geh zu Jesus. Du musst es nicht allein schaffen.

Ich habe den Eindruck, Gott sagt zu mir: „Ich habe dich nicht als Bollwerk geschaffen und ich will, dass du aufhörst, zu versuchen, eins zu sein. Sei eine Rebe an meinem Weinstock. Sei bei mir, bleib bei mir. Und vergiss das dünne Eis. Ich messe Glauben nicht in Zentimetern.“

„Sei eine Rebe an meinem Weinstock.“

Foto: pixabay | Steve Johnson


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Ich bin Stephanie

und ich liebe es, schreibend und wandernd Gottes Welt zu entdecken. Ins Vertrauen bin ich staunend und stolpernd unterwegs … Mehr über mich findest du hier. Du willst mir schreiben? Ich freue mich über deine Nachricht!