Morgenlicht verzaubert. Ich betrachte rauchende Schornsteine, denke an Gott, an mich und daran, was Gott aus Rauch so alles machen kann …
Der Zauber der Morgensonne
Ich sitze am Wohnzimmertisch, blicke in Gedanken versunken aus dem Fenster. Es ist noch früher Morgen. Gerade scheint die orangerosa Morgensonne auf die ersten Dächer. Licht!
Zwischen der Sonne und mir rauchen Schornsteine auf Mehrfamilienhäusern vor sich hin. Zugegeben, es gibt schönere Aussichten. Doch was mir heute Morgen auffällt: Aus dem Rauch, den die Schornsteine da von sich geben, zaubert die Sonne wunderschöne rosa Wolken.
Ich muss zweimal hinsehen, aber wirklich, und auch wenn es skurril klingt: Die Morgensonne malt gerade aus Abgasen zauberhafte Kunstwerke. Der Zauber des Morgenlichtes! Was Licht alles verändert! Sieht im Morgenlicht alles schön aus?
Morgensonne und Mittagssonne
Morgensonne hat sanftes Licht, warmes Licht. Sie ist ganz anders als die grelle Mittagssonne, die jeden Fleck gnadenlos offenbart und mir selbst am geputzten Fenster zeigt: „Die Ecke hast du vergessen!“
In einem Kinderlied heißt es „Gottes Liebe ist wie die Sonne“. Ist Gottes Liebe wie die Morgensonne? Oder wie die Mittagssonne? Gott ist auch ein Offenbarer, ganz klar. Zugleich erlebe ich ihn nicht als den Harten und Gnadenlosen, sondern eher als den, der gnädig und großzügig mit seinen Farben mein Leben verschönert.
Nein, er übertüncht nichts. Malt nicht einfach drauflos, um meine schwarzen Flecken unsichtbar zu machen. Vielmehr ist er so wie die Sonne: Er durchleuchtet mich mit seinem warmen Licht und dadurch werde ich – eigentlich „Abgas“ – zu einer wunderschönen rosa Wolke. Dabei mache ich nichts, ich bin einfach da und rauche. Er macht alles.
Wie Rauch
In der Bibel wird das menschliche Leben an einigen Stellen mit Rauch verglichen. Jakobus schreibt: „Ihr seid doch wie Rauch, den man eine kurze Weile sehen kann und der sich dann auflöst“ (Jakobus 4,14 DBU). Der Rauch steht hier vor allem für Vergänglichkeit.
Ich lande beim Textvergleich in der Volxbibel. Hier heißt es: „Ein Leben ist im Grunde doch nur wie der Qualm einer Kippe …“ (VXB) Abgas. Der Qualm einer Kippe. Unnütz. Stinkend. Abfall eben. Auch wenn es hart ist, ja, das ist so. Natürlich habe ich auch meine Glanzstunden, aber wie viel mehr habe ich Gottes Erbarmen nötig, seine Morgensonne.
Mein Leben ist Rauch, manchmal nur Dunst, manchmal Qualm. Und das, was ich fabriziere, lässt sich oft in dieselbe Kategorie einordnen. Aus Gottes Perspektive ohnehin. Und trotzdem lässt sich Gott davon nicht abschrecken. Im Gegenteil, er sucht die Nähe zu mir. Liebt mich. Lässt mich leuchten.
Für ihn bin ich wertvoll. Obwohl ich nur Rauch bin.
Zauberhafte Wolke
Ich bin für Gott eine zauberhafte Wolke. Der Gedanke berührt mich gerade. Ich, Stephanie, bin Gottes zauberhafte Wolke. Und du, ja du, bist es auch. Könnten wir manchmal nicht sehr viel leichter durchs Leben fliegen, wenn wir uns daran erinnern würden?
Ich will mich heute in Gottes Licht stellen. Ich möchte Gott den Dunst und Qualm meines Lebens einfach hinhalten, damit er hindurchscheinen und etwas Schönes daraus machen kann. Eine zauberhafte Wolke. Seine zauberhafte Wolke.
Ich glaube, Gott liebt es, Schönes zu zaubern. Er liebt es, sein Licht über diese Erde und auf uns Menschen leuchten zu lassen. Im Kinderlied heißt es übrigens weiter: „Gottes Liebe ist wie die Sonne … Streck dich ihr entgegen. Nimm, so viel du willst!“ Im Frühling machen wir das spannenderweise ganz automatisch. Vielleicht kann uns die Frühlingssonne heute daran erinnern, dass Gott so viel mehr für uns in petto hat.
Foto: pixabay | letterprince
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