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Kein Frühling im Glauben

Jahreszeiten im Glauben

Im Moment bewegt sich zwischen Gott und mir nicht viel. Wie gern würde ich von Durchbrüchen erzählen, tollen Gebetserfahrungen oder von Wundern, die mich von den Socken gehauen haben. – Nur, es gibt sie aktuell nicht.

Draußen steckt die Natur in ihrer Powerjahreszeit, während ich gerade wieder sehr mit meinen Kräften haushalte. Ich sehne mich nach Löwenzahnpower. Wie kräftig die zackigen Blätter hier im Taunus in die Höhe wachsen. Manche reichen mir sogar bis an die Knie! Am liebsten würde ich hineinbeißen, die Energie in mich aufsaugen. Im Augenblick scheint mir jeder Grashalm mehr Kraft zu haben als ich.

Ich könnte jetzt von guten Vorsätzen schreiben und der Zuversicht, dass es ab morgen bestimmt anders wird. Aber ich will mir nichts vormachen. Und dir auch nicht. Vielleicht dürfen und sollen auch solche Zeiten mit Gott sein, in denen das Herz nicht übervoll ist, sondern eher leer und hungrig.

Wald und Spielplatz

Drei Dinge möchte ich dir erzählen, die mir gerade guttun und helfen. Und wo ich merke: Gott ist doch irgendwie da. Zwar nicht so mächtig und groß, wie ich ihn gern in meinem Leben hätte, aber er ist da. Und ich habe den Eindruck, er findet es gar nicht so furchtbar oder schlimm, dass in meinem Glaubensleben gerade kein Frühling ist.

Ich genieße zurzeit langsame Spaziergänge allein auf Waldpfaden. Gestern hat es geregnet und die Luft draußen war herrlich. An manchen Stellen sind die Pfade durch den Wachstumsschub des Frühlings fast zugewachsen. Beim Hindurchlaufen streicheln mich die Blätter, schenken mir ihre Wassertropfen. Ich darf einfach Teil von Gottes Schöpfung sein – auch ohne dabei zu beten, an Bibeltexte zu denken oder irgendetwas Frommes zu tun. Einfach nur sein.

Morgens bin ich jetzt manchmal auf einem kleinen Spielplatz um die Ecke, der um diese Uhrzeit noch leer ist. Dort habe ich ein Trampolin entdeckt. Nein, ich springe nicht mit Power auf und ab, aber ich bounce, so nennt man dieses sanfte Schwingen mit dem Trampolinboden. Und diese Bewegung tut mir gut mitten in der Morgenluft, während links und rechts neben mir Amseln durchs Gras spazieren und ihr Frühstück zusammensammeln. Auf diesem Trampolin habe ich meinen kleinen Friedensort. Auch dort tue und denke ich nichts Frommes, aber meine Gedanken, mein Körper und meine Seele werden munter und kommen zugleich wunderbar zur Ruhe. Ein Geschenk Gottes? Für mich ja.

Losungsworte

Die Losungen haben mir diese Woche zwei Texte geschenkt, über die ich fast drübergelesen hätte. „Kenne ich ja schon!“ Wie schnell ist so ein kleines blaues Losungsbuch zugeklappt. Aber dann dachte ich: „Stopp, eigentlich ist es doch genau der Text, den ich brauche!“ Und ich habe das Büchlein dann doch noch mal geöffnet.

Am Montag war es der Text: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28). Es ist ein Klassiker. Ich kenne ihn. Auch auswendig. Aber ist er nicht gerade jetzt Gottes Wort an mich? Ich habe mich mit einem dicken Rucksack gesehen und plötzlich gedacht: Zu Gott muss ich nicht hinwandern. Wenn ich zu Gott will, muss ich nicht über Berge klettern. Wenn ich zu Gott will, muss ich vielleicht einfach nur stehenbleiben. Hier sein. Er ist doch hier.

Am Dienstag fand ich den Text: „Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“ (4. Mose 6,26). Frieden. Allein der Klang des Wortes lädt mich ein, mit all dem, was gerade ist, bei Gott unterzuschlüpfen. Mit meinem Rucksack in sein Zelt zu kriechen. – Ich müsste es viel mehr tun.

Ohne Druck und schlechtes Gewissen

Nein, ich will mir keinen Vorwurf machen und Schuldgefühlen keine Macht geben. Ich möchte einfach nur diese Einladung Gottes hören und mein Ja dazu geben, so wie ich es kann. Weil Gott mir nicht noch mehr aufdrücken, sondern mir Last abnehmen will. Auch Last und Druck, die ich mir im Glauben mache, weil es gerade nicht so läuft.

„Komm zu mir. Wie du bist. Sei einfach bei mir. Genieß den Wald. Und das Trampolin. Sie sind mein Geschenk an dich. Und wenn dich ein Satz aus den Losungen berührt, dann freu ich mich. Aber wenn nicht, mach dir keinen Stress. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Frühlinge. Wo du wieder mehr Kraft hast als ein Grashalm, wo dir wieder danach ist, Neuland zu entdecken.“

Gott ist gut. Das will ich glauben. Er kickt mich nicht raus, nur weil ich im Moment nicht auf meine Idealzeit stille Zeit und fromme Gedanken komme. Darum geht es ihm nicht. Daran denkt er nicht mal im Traum. Nein, er sagt einfach: „Komm, ich gebe dir Frieden“. Mehr will er nicht.

Foto: pixabay | Hans


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Ich bin Stephanie

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