Wie kommt es, dass andere Menschen Gott manchmal mehr sehen als wir? Die Israeliten zweifeln an Gott, die Kanaaniter sehen ihn so deutlich …
Was Israel sieht, was die anderen sehen
In den letzten Wochen habe ich mich durch die fünf Bücher Mose und das Buch Josua gelesen. Was hat Israel nicht für eine Geschichte mit Gott! Und zugleich ist das Volk auch immer wieder so schnell weg von ihm, stellt ihn infrage, klagt ihn an, will auf eigene Faust …
Zwischendrin gibt es auffällig viele Texte darüber, dass die umliegenden Völker beobachten, was Gott alles für Israel tut – und sich wundern und erschrecken vor Israel und seinem Gott. Die umliegenden Völker sehen es! Sie zittern vor diesem Volk und diesem Gott. Die Israeliten dagegen knicken beim kleinsten bisschen ein und wollen am liebsten zurück nach Ägypten. Wie kann das sein?
Es sind Texte, die mich nachdenklich machen. Die Geschichten sind Jahrtausende her, doch ich entdecke mich so stark in diesen Texten, sehe das Prinzip auch in meinem Leben. Wie kann es sein, dass ich oft nicht sehe, dass Gott mit mir ist – aber andere scheinen es deutlich zu sehen?
Euer Gott ist wirklich Gott
Einer der Texte findet sich in Josua 2,9–11. Das sagt Rahab zu den Kundschaftern: „Ich weiß, dass der HERR euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen … Denn wir haben gehört, wie der HERR das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt … Und seitdem wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden.“
Rahab sieht es deutlich. Sie und ihr Volk in Kanaan, sie können sich diesem Gott Israels nicht entziehen und dem Schrecken, der sich da vor ihnen ausbreitet. Israels Gott ist Realität. Und Rahab sieht deutlich: Diesem Gott kann niemand etwas entgegensetzen. Niemand. Die Israeliten dagegen scheinen ihren mächtigen Gott fast aus den Augen verloren zu haben.
Zwei Perspektiven auf dieselbe Geschichte, auf denselben Gott. Wie kann man ein und dasselbe so unterschiedlich sehen? Warum war Israel so blind? Warum bin ich es? Vier Gedanken dazu.
Warum sehe ich Gott nicht?
Nähe kann blind machen. Israel lebt im Wunder. Sie erleben, was Gott Großes tut, sie sehen seine Wolken- und Feuersäule, sie sammeln jeden Tag Gottes Manna und essen davon. Sie sehen es und sehen es doch nicht. Aber Kanaan sieht es. Wo ist Gott mir so nah, wo sind mir seine Geschenke und seine Fürsorge so vertraut, dass ich es schon gar nicht mehr bemerke?
Angst verzerrt die Wahrnehmung. Israel sieht die Wüste, seinen Hunger, die starken Feinde, die befestigten Städte. Gute Gründe, sich zu fürchten! Doch Gott, der auch da ist, ist kaum in ihrem Blick. Kanaan dagegen sieht Gottes Taten, hört seinen Ruf, seine Geschichte. Worauf schaue ich – auf das, was mir Angst macht, oder auf den, der alle Macht hat?
Andere sehen die Früchte, wir sehen den Kampf. Israels Wanderung durch die Wüste geht mit viel Auf und Ab einher. Da sind tolle Erfahrungen mit Gott, aber auch Zweifel, Erschöpfung und Not. Kanaan sieht von außen vor allem Gottes mächtige Führung. Wie kann ich in meinem Leben beides sehen, nicht nur die Mühe, sondern auch Gottes Segen?
Erinnerung versus Interpretation. Rahab sagt: „Das war der Herr!“ Sie ist sich dessen sicher, zieht diesen Schluss aus dem, was sie gehört hat. Der Gott der Israeliten muss der wahre Gott sein! Israel scheint eher zu fragen: „War das wirklich Gott?“ Wie kann ich Gott in meinem Leben sehen und ihm das wirklich zuschreiben, was er tut?
Die anderen sind Teil von Gottes Plan
Ich entdecke mich in der Geschichte der Israeliten wieder. Wie oft bin ich blind für Gott. Wie oft beherrscht meine Angst das Bild, das ich sehe. Wie oft bleibt mein Blick in allem Mühen und Kämpfen kleben, statt sich an Gott zu hängen. Wie oft deute ich Dinge anders, als sie sind, oder meine, Gott würde mir nicht helfen.
„Der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden.“ Der Herr, dein Gott, ist Gott. Auch wenn du ihn nicht siehst und fühlst.
Vielleicht ist es einfach so, dass andere uns das hin und wieder zusprechen müssen. Dass andere manchmal mehr sehen als wir, was Gott in unserem Leben tut. Und vielleicht sind diese „anderen“ auch Teil von Gottes Plan, durch den er uns zeigen will: Ich bin da. Ich bin wirklich da und ich kümmere mich um dich.
Foto: pixabay | Tope Asokere
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