Wie finde ich im Turbo des Alltags zurück in Gottes Ruhe, in sein Zuhause? Ich tue mich schwer damit, aber Laufen ist für mich ein guter Anfang …
Freilaufen
Wenn zu viele Gedanken durch meinen Kopf flitzen, die dann auch noch von Sorgen überholt werden, hilft bei mir eins am besten: rausgehen. Und dann laufen, laufen, laufen, bis sich alles beruhigt und sortiert, setzt und eine neue Perspektive bekommt.
Lange Spaziergänge sind für mich Prozesse. Die Bewegung im Außen schiebt manches im Innen an – sanft und so, wie ich es brauche. Meist komme ich fröhlicher und zuversichtlicher wieder nach Hause. Staunend über das, was Gott da gerade wieder alles in mir zurechtbewegt hat.
Meine Draußenzeiten helfen mir, zu Gott zurückzufinden. Und sie helfen Gott, mich zu finden. Im Alltag kommt er oft nicht durch. Wenn ich laufe, gibt es in mir mehr Luft und Raum, hat Gott mehr Raum, um mich anzustupsen und zu sagen: „Hey, vergiss nicht, mich gibt’s auch noch!“
Lied-Gedanken
Vor zwei Tagen habe ich bei solch einem längeren Spaziergang gedacht: Ich brauche gute Gedanken, andere Gedanken. Lieder helfen mir dann manchmal. Zugleich habe ich gemerkt, mein Liedergedächtnis ist eingerostet. Ich habe lange nichts auswendig gesungen.
Ich weiß nicht mehr, welches Lied ich zuerst gesungen habe. Aber mit dem ersten kam mir das nächste ins Gedächtnis, danach das nächste … Und an manchen Stellen spürte ich: Diese Zeile ist jetzt gerade nur für mich da.
Beim Singen landete ich beim Lied „Die Hände, die sich falten“ (Johannes Jourdan). Wie gut ich es kenne! Als Kind habe ich es schon mit meinen Eltern zu Hause gesungen, auch im Gottesdienst. Seitdem begleitet es mich – und ist zugleich immer wieder in Vergessenheit geraten.
Gott als Zuhause
Es ist eines der Lieder, das mich fast immer berührt, einlädt, Sehnsucht weckt. „Wer in die Stille eintritt, kommt von weit her nach Haus“ – ja, genau so ist es! Warum nutze ich dieses Zuhause nicht stärker? „Wenn du die Hände faltest, bist du nicht mehr allein“ – wie oft ich mir das wünsche!
Mit Gebet wäre mein Leben vielleicht ruhiger. Vielleicht bräuchte ich nicht so viele Spaziergänge, hätte in manchen Dingen schneller den Durchblick. Zugleich bin ich Mensch, schaffe es nicht immer „nach Haus“, versuche zu oft, mein Leben allein zu schaffen. Vergesse manchmal, dass es da einen Vater gibt.
Ich singe auch „Vater, bei dir bin ich zu Hause“ (Daniel Jacobi). Auch dieses Lied liebe ich. Aber wie kann ich bei Gott zu Hause sein, wirklich mein Zuhause bei ihm finden, wenn sich Sorgen, Wäscheberge und noch manches mehr stapeln?
Immer wieder nach Hause
Ich habe keine Antwort, kein Patentrezept. In Momenten wie vor zwei Tagen meine ich, etwas verstanden zu haben. Im Alltag entgleitet mir das oft und Gott scheint weit weg, mein Vertrauen zu ihm über alle Berge. Das frustriert mich, macht mich traurig. Die Sehnsucht, dass mein Glaube, meine Zuversicht einfach mal beständig sind, bleibt.
Vermutlich bin ich eine Unbeständige. Es wird wohl so bleiben, dass ich mich Gott in manchen Momenten ganz nah fühle, in anderen unendlich fern. Gott hält das Auf und Ab mit mir aus. Es scheint ihn nicht zu stören, dass ich so bin und so holprig glaube. Zumindest habe ich den Eindruck, er ist mir gern auf den Fersen und erinnert mich gern: „Hey, vergiss nicht, mich gibt’s auch noch.“
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