Was hat ein Würfelregal mit dem Advent zu tun? Für mich im Moment ganz viel. Ein neues Regal schenkt mir vier neue Räume – wie der Advent eigentlich auch …
Advent als Zeit-Raum
Gestern war ich einkaufen. Schon eine Weile habe ich damit geliebäugelt: ein Würfelregal im Format 4 × 1. Ich brauche mehr Stauraum neben meinem Schreibtisch. Noch steht das Regal unausgepackt im Flur, aber ich freue mich schon aufs Zusammenbauen.
Innerlich bin ich bereits dabei, es einzurichten. Vier Würfel Platz, vier neue Räume, die sich mir bieten und die ich füllen kann. Und da ich es auf die Längsseite legen werde, kann ich obendrauf auch noch etwas stellen. Was wird in welchem Würfel Platz finden? Was möchte ich wo unterbringen?
Die Adventszeit schenkt mir vier Räume wie mein Regal. Gerade befinde ich mich im ersten Raum: im ersten Würfel, zwischen dem ersten und dem zweiten Advent. Ich habe den Eindruck, es liegt schon ziemlich viel in meinem Regal. Es bräuchte mehr Platz. Zugleich ist mein Raum begrenzt durch die Zeit.
Was will ich wirklich ins Regal stellen? Was ist mir wichtig?
Gestaltungsräume
Ich neige ein bisschen zum Minimalismus. Ich brauche Luft in meinen Schränken und Räumen, stopfe ungern alles zu. Gelegentlich bekomme ich einen Rappel und räume aus, werfe weg, verkaufe, verschenke. Aber wie schnell haben sich dann doch wieder Dinge gesammelt und gestapelt.
Mein Regal soll schön sein, wenn es steht. Ich will es nicht zustopfen bis in die letzte Ecke. Es soll seinem Zweck dienen, guten und wichtigen Dingen Raum geben. Und es soll übersichtlich bleiben, vielleicht sogar zum Hingucker werden. Eine Pflanze soll in jedem Fall Platz darauf finden.
Und mein Adventsregal?
Wenn ich das Bild weiterfasse und eine Art „Lebenswürfel“ daraus mache, muss ich zugeben, dass dieser oft vollgestopft ist und eher selten meinem oben beschriebenen Ideal mit Pflanze gleicht. Eher einer Abstellkammer, bei der ich froh bin, dass ich einfach die Tür zumachen kann.
Ich befinde mich am Anfang der Adventszeit. Im ersten Würfel. Drei Würfel liegen noch vor mir. Manche Termine stehen schon, einiges ist für diese Würfel bereits eingeplant. Wie werde ich den Raum, der bleibt, füllen? Wie viel Raum wird das wirklich Adventliche erhalten?
Adventsräume
Eigentlich ist die Adventszeit die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Wir warten als Christen auf die Ankunft Christi (adventus bedeutet „Ankunft“). Im Grunde geht es sogar um drei „Ankünfte“: Jesu Ankunft in Bethlehem, die geistliche Ankunft Jesu in mir und das Warten auf die Ankunft Jesu bei der Wiederkunft.
Hat das Raum in meinen Würfeln?
Bei der ersten Ankunft ist es vielleicht noch einfach. Durch Lichter und Weihnachtsdeko erinnern wir uns gerade an vielen Stellen daran, dass Jesus auf die Welt gekommen ist. An manchen Orten sehe ich sogar eine Krippe. Zugleich deckt das Bunte und Glitzernde die eigentliche Botschaft oft eher zu, ist Jesus im Regal kaum sichtbar.
Schon wieder ein vollgestopftes Regal.
„Macht hoch die Tür“ heißt es in einem Lied, über das ich vor einigen Jahren schon einmal geschrieben hatte (Artikel). Sollen wir die Tür höher machen, das Regal breiter, damit noch mehr hineinpasst? Es ist doch jetzt schon eng!
Raum zum Empfangen
Das Lied redet nicht davon, noch mehr irgendwo hineinzustopfen. Es spricht von Räumen und sagt im Grunde: „Schafft Raum für den, der kommt. Und für das, was er mitbringt!“ – Oh, er bringt etwas mit?
Ich stelle mal wieder fest: Der Gedanke, dass Jesus etwas von mir will und haben will, sitzt tiefer als der, dass Jesus mir etwas schenken will. Und auch das Lied redet nicht primär davon, dass ich mich verbiegen und abarbeiten muss, um meine Türen weit und hoch zu machen. Es geht ums Empfangen. Heil und Leben. Freude und Wonne. Das Ende meiner Not.
Das ist Advent. Gott möchte mich beschenken!
Er will mir schöne Dinge ins Regal stellen. Er will mein Lebensregal zum Ort des Lebens und zum Hingucker machen. Und je mehr Raum ich ihm anvertraue, desto mehr kann er diesen Raum mit Leben füllen.
Ich denke gerade: Jesus, komm in meinen Raum! Füll mein Regal!
Ein Raum für Jesus
Ich muss zugeben, ich konnte mich bisher noch nicht dazu aufraffen, unsere Wohnung weihnachtlich zu dekorieren. Kerzen zünde ich schon seit einigen Wochen an, meine Lichterkette hängt das ganze Jahr – aber Jesus, Maria, Josef, Schafe, Rind und Esel sind noch im Karton im Flurschrank.
Adventszeit. Würfelraum. Raum, der erfüllt werden darf. Von ihm.
Ich glaube, ich gehe sie jetzt mal holen … Maria, Josef, Rind, Esel, die Schafe. Jesus.
Dir eine gesegnete Adventszeit mit erfüllten Räumen!
Foto: Franz W.
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