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Hab keine Angst

„Hab keine Angst!“, manchmal sage ich das zu Tieren, damit sie nicht wegrennen. Wie gehe ich mit Gottes „Hab keine Angst!“ um?

Ich sitze auf einem morschen Stamm abseits der Wege, der umgefallen am Waldboden liegt. Mit Sitzkissen unter dem Po habe ich es mir gemütlich gemacht und genieße es, einfach nur „weg“ zu sein – weg vom Alltag und weg vom Herbstwind, der gerade über die Felder pfeift.

Plötzlich bemerke ich rechts von mir – an demselben Stamm, auf dem ich auch sitze – ein Huschen. Eine kleine Maus! Hat sie mich bemerkt? Oder hat sie einfach akzeptiert, dass ich auf ihrem Zuhause sitze?

Immer wieder verschwindet die Maus im Laub unter dem Stamm, kommt wieder heraus. Mal weiter vorn, mal näher bei mir. Stets mit Sicherheitsabstand. Sie ist wachsam. Vorsichtig. Und schnell. Ich entscheide, dass ich mich nicht abmühen werde, sie mit der Kamera einzufangen. Viel lieber sehe ich ihr einfach nur zu.

Gern würde ich der kleinen Maus zurufen: „Hab keine Angst! Ich tu dir nichts!“ Sie würde es nicht verstehen, genausowenig wie der Hase, den ich neulich abends auf dem Feld erschreckt habe. Ihm habe ich tatsächlich noch sanft „Hab keine Angst!“ zugerufen. Er ist – natürlich – trotzdem davongehoppelt.

„Hab keine Angst!“ Es ist ein Satz, den Gott in der Bibel auch mir immer wieder zuruft (z. B. 1. Mose 26,24). Ein Satz, den ich manchmal so schwer glauben kann, und der mich oft trotzdem nicht vom Wegrennen und Flüchten abhält. Da bin ich eher wie der Hase, zumindest vorsichtig wie die Maus.

Ich selbst weiß natürlich, dass ich Maus und Hase nichts tue. Dass sie mir trauen könnten, nicht wegrennen müssten, nicht mal in Hab-acht-Stellung sein. Sie könnten mir sogar aus der Hand fressen. Ich würde ihnen nicht wehtun, sie sanft streicheln, wenn Sie es mögen, und mich bei ihnen für ihr Vertrauen bedanken.

Ist Gott nicht mindestens genauso liebevoll und feinfühlig, wie ich es zu Maus und Hase bin?

Bei einer anderen Waldrunde vor einigen Tagen habe ich zwei Geschwisterrehe erschreckt, die noch gar nicht so alt waren und wohl auf die Rückkehr ihrer Mutter warteten. Sie machten einen Satz nach vorn, blieben dann aber nicht weit von mir stehen, auch, weil ihnen bewusst war, dass sie nur aufs offene Feld flüchten konnten.

Ich musste etwas unterhalb an ihnen vorbei, versuchte sie, mit meiner Stimme zu beruhigen. Zugleich hatte ich keine große Erwartung, dass sie stehenbleiben würden. Rehe sind einfach Fluchttiere.

Langsam und vorsichtig, sanft mit ihnen redend, ging ich meinen Pfad weiter. An ihnen vorbei. Ich schaute sie nicht an, beobachtete sie aber aus dem Augenwinkel. Und sie blieben stehen. Wachsam zwar und fluchtbereit, aber sie blieben stehen.

Mich berühren solche Begegnungen. Weil ich weiß, dass Vertrauen nicht selbstverständlich ist.

Ob es Gott mit mir genauso geht?

Foto: pixabay | Alexa


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Ich bin Stephanie

und ich liebe es, schreibend und wandernd Gottes Welt zu entdecken. Ins Vertrauen bin ich staunend und stolpernd unterwegs … Mehr über mich findest du hier. Du willst mir schreiben? Ich freue mich über deine Nachricht!