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Was macht das Leben aus mir?

Leben prägt mich. Was ich sehe, höre, erlebe, denke drückt mir seinen Stempel auf. Zu welchem Menschen macht mich das Leben, das ich führe?

„Ich will nicht, dass Leben DAS aus mir macht“, plötzlich ist dieser Gedanke da. Und er setzt sich fest in meinem Kopf.

Der Satz überrascht mich, denn er überfällt mich in einem Moment, in dem ich eigentlich gar nicht unzufrieden bin mit mir. Ich ärgere mich ja manchmal über mich. Aber jetzt, in diesem Moment, sitze ich im Wohnzimmer auf dem Boden und blättere in unseren Fotobüchern. Und ich genieße es.

Warum also dieser Gedanke?

Schöne Welten

Vielleicht, weil mir beim Blättern in den Fotobüchern klar wird, dass meine Realität oft so anders ist. Denn in diesen Minuten, in denen ich durch die Bilder der letzten Jahre gehe, bin ich einfach wieder mittendrin in alter Freude. Zack, ist sie da!

An vieles kann ich mich erinnern, als wäre es gestern gewesen. Den Besuch im Streichelzoo mit den tollen dickwolligen Schafen, die einfach so herumlagen. Die Wanderung mit dem kleinen See und den tollen gelben Blumen. Oder die auf die Dreifingerspitze, die wirklich drei Finger hat!

Ich genieße die Schönheit und den Frieden, der mir da entgegenblinkt, falle mitten hinein. Es tut einfach gut und ich spüre, wie sehr ich aufatme. Es ist fast wie Urlaub.

Überfordernde Welten

Alltag ist anders. Da sehe ich Bilder von Krieg und Erdbeben. Dazwischen die Herausforderungen meiner eigenen Welt mit ihrer Sorge und abzuarbeitenden, chaotischen Stapeln. Und wie oft komme ich mir hilflos vor, weil ich mich ja eben nur darum kümmern muss – denn was sind meine Probleme schon gegen die, die mir über die Nachrichten entgegenspringen?

Kein Wunder, dass das Betrachten der Fotobücher Urlaub ist! Es befreit mich für einen Moment aus diesem widersprüchlichen Heute.

Plötzlich wird dieser Satz „Ich will nicht, dass Leben DAS aus mir macht“ nachvollziehbar. Nein, ich will nicht in Stress und Sorge stecken bleiben, ich will nicht permanent Bilder von Krieg vor Augen haben – ich will leben! Ich will atmen! Ich will Schönheit und Gutes sehen und staunen.

Das andere macht mich kaputt.

Die Nachrichten auf der einen Seite – meine Fotobücher auf der anderen. Echtes Kontrastprogramm. Weil es beides gibt. Umso wichtiger ist es, dass ich nicht in Sorgen und schlechten Nachrichten versinke.

Ich will ihn loben

„Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“ (Psalm 103,2b) Es ist ein alter Rat. Ich lese ihn gerade wieder neu und stutze. Denn der Satzteil davor fordert mich auf: „Lobe den Herrn, meine Seele“. Ist es das, was ich verlernt habe? Wollen die Fotobücher mich noch an etwas ganz anderes erinnern?

Die Nachrichten geben mir nicht viel Anlass zum Loben. Das Schöne und Gute, das ich in meinen Fotobüchern und in meinem Leben sehe, dagegen sehr wohl. Gott war und ist am Werk. Er ist da. Ich will nicht vergessen. Ihn nicht vergessen.

Ich will ihn loben.

Gott ist gut. Immer noch.
Gott ist da. Immer noch.
Gott hat einen Plan. Immer noch.

Ich will ihn loben.

Ich möchte mich erinnern, mir die Lachfalten und das Staunen bewahren, es hindurchscheinen lassen ins Dunkel, die Fenster und Türen dafür aufreißen, immer wieder auf die Suche gehen. Ich will das Gute und Schöne suchen, Gott auf der Spur bleiben, ihn loben. Und nicht vergessen.

Meine Fotobücher sind Schätze. Schätze aus der Vergangenheit. Jeder dieser Tage war mal ein Heute.

Welcher Moment aus dem Heute wird ein Fotobuchmoment sein? Ich will ihn sehen, ihn suchen, Gott auf den Fersen sein. Dankbar sein und staunen. Und trotzdem nicht vergessen, dass es anderen gerade nicht so gut geht.

DAS soll das Leben aus mir machen!

Foto: pixabay | Michal Jarmoluk


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Stephanie Kelm

ist verheiratet und zu Hause im Taunus. Sie liebt es, schreibend und wandernd Gottes Welt zu entdecken und ist staunend und stolpernd unterwegs ins Vertrauen.


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